Jicin
Jièín (deutsch Jitschin, früher Gitschin) ist eine Kleinstadt in der Region Hradec Králové in Tschechien und Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Die Stadt liegt zirka 85 Kilometer nordöstlich von Prag am Rand des Landschaftsschutzgebietes Böhmisches Paradies.Jicin - Landkarte
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GPS: 50°26'14.01"N 15°21'5.85"E
Eine große Durchgangsstraße verbindet den Ort mit Prag und dem Riesengebirge, gute Verbindungen per Auto, Bus und Eisenbahn bestehen auch nach Mladá Boleslav, Turnov und Hradec Králové. Der Ort wurde vermutlich am Ende des 12. Jahrhunderts angelegt, eine Gründungsurkunde ist jedoch nicht erhalten. Die ursprüngliche Siedlung lag auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Staré Místo (deutsch Alter Platz), unterhalb der Burg Veliš. Sie wurde aber später 3 Kilometer nordwärts an das Ufer des Flusses Cidlina verlegt, wo der Fernhandelsweg von Hradec Králové nach Zittau verlief. Jièín war zunächst im Besitz der böhmischen Krone. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus einem Dokument der Königin Guta von Habsburg vom 1. August 1293. Die These, dass Jièín nach ihr benannt ist (Gutas Stadt heißt auf tschechisch Jitèino mìsto), wird in neuerer Zeit angezweifelt. Nach Gutas Tod 1297 übernahm König Wenzel II. den Ort und vergab ihn zeitweilig an örtliche Herren, die Jièín 1302 die Stadtrechte verliehen. Der endgültige Übergang aus königlichem in adligen Besitz fand in den Jahren 1316-1337 statt. Nach mehrfacher Verpfändung verkaufte König Johann von Luxemburg die Stadt 1337 an Beneš von Wartenberg. Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert ging Jièín durch mehrere Hände: Nach den Wartenbergs übernahmen 1437 Beneš und Hašek von Waldstein die Herrschaft, 1452 Georg von Podiebrad, 1480 Samuel von Hradek und 1487 das Haus Trèka von Leipa, das die Stadt bis 1607 hielt. In dieser Zeit entwickelte sich Jièín zum Mittelpunkt der Region: Bereits seit 1360 bestand eine Schule und ein Dekanat für 46 Pfarren. Im 16 Jahrhundert erhielt die Stadt das Zollrecht und weitere wirtschaftliche Privilegien. In der Umgebung wurden zahlreiche Teiche angelegt. Hauptstadt des Herzogtums Friedland [Bearbeiten]1607 verkaufte Jan Rudolf Trèka von Leipa Jièín als Bestandteil der Herrschaft Kumburk an Zikmund Smiøický von Smiøice. Das Haus Smiøice gehörte zu den reichsten Adelsgeschlechtern in Böhmen. Zikmunds Sohn Jaroslav wollte Jièín zu seinem Verwaltungszentrum ausbauen; er starb jedoch bereits 1614, sein Bruder Albrecht Jan 1618. Der letzte männliche Smiøický, Jindøich Jiøí, war geistesschwach, und die Verwaltung des riesigen Besitzes organisierte seine Schwester Margareta Salomena. Sie wollte auch die Stadt Jièín übernehmen, doch dieser Plan scheiterte im Jahre 1620: Als eine Ständekommission im Jièíner Schloss die Übertragung vorbereiten wollte, kam es aus ungeklärter Ursache im Keller des Schlosses zu einer Schießpulverexplosion. In den Trümmern starben unter anderem mehrere Mitglieder der Kommission und Margaretas Schwester Elisabeth. Margaretha selbst musste das Land nach der Schlacht am Weißen Berg verlassen. Jièín fiel 1621 an den Vormund ihres Bruders, den Feldherrn Wallenstein. Wallenstein erwarb die Herrschaft Kumburk zunächst als Pfand von Kaiser Ferdinand II., konnte die Güter jedoch bereits 1623 aufkaufen. Er beabsichtigte, Jièín zum Zentrum seines Herzogtums Friedland auszubauen und entwarf groß angelegte Pläne, die Stadt und ihre Umgebung zu einer frühbarocken Landschaftskomposition umzugestalten. Der italienische Architekt Nicolo Sebregondi arbeitete 1633 einen Bebauungsplan aus, der zu den ersten in Mitteleuropa zählt. Zu den geplanten Veränderungen gehörten repräsentative Bauten wie das Schloss und eine Villa mit großem Park vor den Stadttoren, Gebäude für die Regierungs- und Verwaltungsorgane des Herzogtums und ein neues Handwerker-Viertel, das hauptsächlich Güter zur Versorgung der Wallensteinischen Truppen herstellen sollte. Jièín erhielt auch eine eigene Münze. Wallenstein ließ die Jesuiten und Kartäuser in die Stadt kommen, Jièín sollte sogar Bischofssitz werden. Die Stadt nach Wallensteins Tod [Bearbeiten]Dieser und viele weitere Pläne, die Wallenstein für die Stadt hatte, zerschlugen sich nach seinem Tod 1634. Sein Besitz wurde vom kaiserlichen Kommissariat beschlagnahmt, die ehemalige Hauptstadt seines Herzogtums ging 1635 in den Besitz Rudolfs von Tiefenbach über und sank wieder in den Rang einer Provinzstadt herab. 1653 übernahmen die Sternbergs, 1710 das Haus Trauttmansdorff die Herrschaft. Der Ort verlor größtenteils seine wirtschaftliche, nicht aber seine kulturelle Bedeutung. Dafür ist insbesondere das Jesuiten-Gymnasium verantwortlich, das bis 1777 bestand und 1807 auf private Initiative hin wiedereröffnet wurde. 1850 wurde die Stadt Sitz der Kreisverwaltung. Einige Industriebetriebe siedelten sich an. 1866 wurde die Gegend vom Deutschen Krieg getroffen: In der Schlacht bei Gitschin siegte Preußen über die österreichische Armee. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 gehörte Jièín zur Tschechoslowakei, zwischen 1938 und 1945 unter dem Namen Jitschin zum Protektorat Böhmen und Mähren. Heute ist Jièín Teil der Republik Tschechien und Verwaltungssitz des gleichnamigen Bezirks.
Jicin - Information
JièínRegion Königgrätz
16347
11544
4
2493.02 m²
ja
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